Winterzauber am „Tiroler Meer“, dem Achensee

Ein Meer und ein Fjord im österreichischen Tirol, gibt es das? Ja der auf 930 Meter Höhe gelegenen Achensee ist nicht nur der größte See Tirols, sondern wird auch das „Tiroler Meer“ genannt. Obwohl er so hoch liegt, friert der Achensee mit seinen 720 Hektar Wasserfläche auf einer Länge von zehn Kilometern auch im Wintern nicht zu; bis zu 133 Meter Wassertiefe verhindern das. Und im gleißenden Wintersonnenlicht, vor berauschender Bergkulisse, sieht der tiefblaue See aus wie ein norwegischer Fjord, wie er idyllisch vom Rofangebirge im Osten und dem Karwendelgebirge im Westen quasi umarmt wird.

Um den See herum liegen die Dörfer Achenkirch, Maurach und Pertisau und etwas vom See entfernt in Seitentälern die kleinen und ruhigen Orte Steinberg und Wiesing. Diese fünf Orte bieten alles, was der Urlauber sich so wünscht. Unter den vielen privaten Unterkünften und den Hotels, davon allein 29 im Vier- und Fünf-Sterne-Bereich, ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei.

Im Winter ist die Achensee-Region ein wahres Schneeparadies. Hier kann man nach Herzenslust Skifahren, Langlaufen, Winterwandern oder auf Schneeschuhen durch die verschneite Märchenlandschaft stapfen, und zwischendurch in urigen Hütten einkehren, köstliche Schmankerl und Tiroler Gastfreundschaft genießen. Hier herrscht aber nicht der Trubel und die Party-Stimmung manch anderer Wintersportgebiete, sondern es geht ruhig mit Genuss, liebenswert und richtig gemütlich zu.

Die Skigebiete mit ihren insgesamt 54 Pistenkilometern und fünf Rodelbahnen sind überschaubar und wie geschaffen für Familien. Ob auf der Christlum in Achenkirch, an der Rofanseilbahn in Maurach oder an der Karwendel-Bergbahn in Pertisau – die hervorragend präparierten Pisten garantieren jede Menge Spaß im Schnee. Die schönste Rodelbahn liegt in dem etwas abgelegenen Steinberg, die auch am Abend mit einer Lichterkette romantisch beleuchtet wird und man sich am Ziel im urgemütlichen Waldhäusel-Hütte mit einem Glühwein oder Punsch aufwärmen und einer guten Mahlzeit stärken kann.

Zudem ist der Achensee ein mehrfach ausgezeichnetes Langlauf-Dorado, in dem über 200 Loipenkilometer zur Auswahl stehen. Hier entstand schon in den 1960er-Jahren der erste Lehrplan für die nordische Sportart, um mit koordinierten Bewegungsabläufen die Natur und Umwelt bewusster erleben zu können.

Wer möchte, kann sich auch mal im Nordic Cruising versuchen – der querfeldein Variante des Langlaufens, bei der man sich mit speziellen Skiern aus der Loipe verabschiedet und durch unberührte Schneefelder gleitet.

Eine romantische Abwechslung ist eine Kutschenfahrt durch die verschneite Landschaft rund um den Achensee. Neben dem Posthotel mit Lipizzaner im Gespann, bieten im Moment sieben Kutscher am Achensee Pferdeschlittenfahrten an.

Auf über 150 km geräumte Winterwanderwegen kann man rund um den See durch die romantische Winterlandschaft gehen. Zu den Lieblingsrouten vieler Wanderer zählen die tief verschneiten Karwendeltäler, in die man von Pertisau aus aufbricht. Sanft ansteigende Wege schlängeln sich durch die weiße Winterwelt, und als Ziel locken urige Almen. Die Gernalm oder der Alpengasthof Falzturn sind in etwa einer Stunde erreicht, für die Gramaialm muss man zwei Stunden einkalkulieren, bevor man sich am Kamin bei Tiroler Köstlichkeiten aufwärmen kann.

Sehr beliebt sind Schneeschuhtouren in die winterliche Prärie des Nationalparks Karwendel. Bei Minustemperaturen und hoffentlich herrlichem Sonnenschein folgt man in Begleitung eines Nationalpark-Rangers auf Schneeschuhen den Spuren der unterschiedlichsten Wald- und Gebirgsbewohnern. Dank der Schneeschuhe, die bei den Touren mitgestellt werden, geht es abseits vorbestimmter Wege durch die tief verschneite fast unberührte Natur. Aber auch wenn die Touren 2-3 Stunden dauern kommt man nicht ganz so weit, da es mit Schneeschuhen nicht so schnell vorangeht. Was mir auch nicht so ganz gefallen hatte, waren die doch immer recht langen Pausen bei den ausführlichen Erklärungen, wo es einem doch recht kalt bei wurde. Ausserdem war zumindest unser Ranger sehr lehrerhaft. Es werden aber auch längere Touren angeboten. Der Ranger hat in seinem Rucksack jede Menge anschauliches Material, wie konservierte Tierläufe, Zapfen u.v.m. dabei. Spuren von vielen Tieren sind im dem Schnee zu entdecken und mit etwas Glück sieht man auch neben Hasen und Hirschen auch Gämsen, oder sogar Adler, die hier auch heimisch sind. Solche Touren werden während der Wintersaison angeboten und kosten je nach Dauer pro Person 15 Euro inkl. Ausrüstung.

Nach einer solchen Wanderung ist Wellness im Hotel eine gute Möglichkeit, sich wieder zu erholen und aufzuwärmen. Fast jedes Hotel hat einen Wellnessbereich, wenn auch die meisten deutlich kleiner sind als die 7000 m² große Wellness-Oase mit 12 Saunen und 10 Indoor- und Outdoorpools im Fünf-Sterne Posthotel Achenkirch.

In fast allen Hotels rund um den Achensee, aber nicht nur hier, ist das Steinöl, ein regionales Naturprodukt, was nur hier abgebaut wird, nicht mehr von den Spa-Menüs wegzudenken. Pur und verarbeitet u.a. zu Salben, Lotionen, Badezusätzen und Massageprodukten wird es nicht nur bei Wellnessbehandlungen benutzt, sondern viele Gäste kommen gerade auch deswegen hierhin um es zu kaufen und nach Hause mitzunehmen. Was schon früher Mensch und Tier gleichermaßen half, hilft auch heute laut wissenschaftlicher Untersuchungen und Analysen.

Auch wenn das schwarze zähflüssige Öl nicht besonders wohlriechend ist, gibt es dennoch unzählige Menschen in Tirol und auf der ganzen Welt, die auf die heilende Kraft des Öls schwören. So ist das Steinöl heutzutage als Tiroler Naturprodukt gefragter denn je. Verwendung findet es in der Medizin für Mensch und Tier, vor allem aber in der Kosmetik. „Steinölsalbe fördert die Durchblutung, andere Steinöl-Produkte entspannen Muskulatur und Haut“, versichert Hermann Albrecht. Besonders gut sollen sie gegen Hautprobleme wie Akne oder Schuppenflechte, bei Blutergüssen, Rheuma oder als sogenannte Zugsalbe helfen.

Steinöl wird von der Familie Albrecht seit über hundert Jahren in den Karwendel-Bergen abgebaut und verarbeitet. Hermann Albrecht führt heute das nur 20-Mann-starke Unternehmen mit zwei Cousins in der dritten Generation.

Steinöl entsteht beim Verschwelen von Ölschiefer, wie er im deutschsprachigen Raum ausschließlich im Bächental über dem Achensee zu finden ist. Im Tagebau wird der Schiefer aus dem Berg geklopft und dann weiterverarbeitet. Eine entbehrungsreiche Arbeit, auch heute noch, wie Besucher im Betriebsmuseum, dem „Erlebniszentrum Vitalberg“ in Pertisau eindringlich demonstriert bekommen.

Im Museum wird auch die Geschichte des Steinöls und damit der Familie Albrecht anschaulich dargestellt. So hat Martin Albrecht 1902 vor einem Gewitter Schutz in der Gaisalm-Hütte gesucht und versucht, sich an dem noch glimmenden Feuer im Kamin zu wärmen. Draußen tobten Regen und Sturm. Drinnen langweilte sich Albrecht und warf Steinchen ins Feuer. Plötzlich brannte eines der Bröckchen – Martin Albrecht konnte sein Glück kaum fassen. Durch einen Zufall hatte er gefunden, wonach er so lange im unwegsamen Gebirge hoch über dem Achensee gesucht hatte: Ölschiefer. Denn der Ölschiefer unter dem See, den man über einen Stollen gefördert hatte, neigte sich nach der Jahrhundertwende dem Ende zu. Durch den Fund oben auf dem Berg, am westlichen Steilufer des Achensees wurde die Existenz der Familie Albrecht gerettet.

Bis heute ist der Achensee im deutschsprachigen Raum der einzige Ort, an dem Steinöl gewonnen wird. Zwar ist der Ölschiefer nicht so selten, sagt Günther Albrecht beim Gang durch sein Museum, aber die Destillation des Öls aus dem Schiefer sehr, sehr aufwändig und heute auch mit vielen Auflagen verbunden.
Weiter Informationen unter www.achensee.com

Text: ©Detlef Düring

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