Klausen im Eisacktal und seine Region

Wie oft bin ich schon in Richtung Süden den Brenner hinuntergefahren, und habe mir vorgenommen, mir beim nächsten Mal endlich Zeit zu nehmen, auch einmal die Dörfer und Städte des Eisacktals, die schon von der Autobahn mit ihren Schlössern und Klöstern ins Auge fallen, in Ruhe anzuschauen.

Wem ist nicht schon bei der Fahrt auf der Brennerautobahn, das imposante Kloster Säben, das über der von Albrecht Dürer verewigten Künstlerstadt Klausen thront oder die malerische Trostburg Oswald von Wolkensteins aufgefallen?  So habe ich mir jetzt mal bewusst diese Region des südlichen Eisacktals einige Tage angeschaut und ich muss sagen, es hat sich gelohnt und sicherlich werde ich auch zukünftig öfter meine Reise in den Süden hier beenden.

Das südliche Eisacktal rund um Klausen, Barbian, Feldthurns und Villanders ist nicht nur eine Region für gute Weißweine, sondern auch eine geschichtsträchtige Region, die schon Kaiser, Könige, Päpste, Künstler und Gelehrte auf ihren Reisen nach Italien gesehen hat. Entsprechend viele Kulturschätze gibt es hier zu bewundern.

Die Trostburg Oswald von Wolkensteins und das Kloster Säben, einst Ur-Diözese und im Mittelalter Bischofssitz, habe ich ja bereits erwähnt.  Sehenswert sind aber auch die einstige fürstbischöfliche Sommerresidenz Schloss Velthurns und die historische Defregger-Gasse in Villanders. In Barbian gibt es einen schiefsten Turm wie in Pisa, nur kleiner.

Aber vor allen Dingen muss man sich für das das kleine mittelalterliche Städtchen Klausen Zeit nehmen, das sich zu Recht Künstler- und Dürerstadt nennt. Im 19. Jahrhundert sollen in dem verwinkelten Städtchen Klausen mehr als 250 Maler und Bildhauer residiert haben und Albrecht Dürer schuf hier die Vorlage für den Kupferstich „Das große Glück“ (1501).

Die engen Stadtgassen von Klausen schmiegen sich an den mächtigen Burgberg, auf dem das Kloster Säben thront und von wo man eine atemberaubende Aussicht hat. Die Anlage auf dem unzugänglichen Felsvorsprung diente bereits als frühchristlicher Bischofssitz. An jeder Ecke begegnet man hier der Stadtgeschichte, die geprägt ist vom Handelsgeschehen im Eisacktal, durch das eine seit jeher wichtige Verkehrsader verläuft. Nicht ohne Grund zählt Klausen zu den schönsten Altstädten Italiens. Die verwinkelten Laubengassen, die erkergeschmückten Bürgerhäuser und erhaltenen Stadttore gehören genauso zum Stadtbild wie puristische Neubauten preisgekrönter Architekten.

Die Geschäfte in den alten Stadthäusern bieten viel einheimische Handwerksprodukte und Spezialitäten an. Am Dorfplatz kann man die Gemütlichkeit von Cappuccino und Kastanienherzen erleben und in aller Ruhe das bunte Treiben beobachten.

Aber in der Region des südlichen Eisacktals zwischen Klausen, Barbian, Feldthurns und Villanders sind nicht nur historische Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Viele Natursehenswürdigkeiten, Orte und Plätze mit besonderer Kraft, Natur- und Kultplätze, sind auf wunderschönen Wanderungen, sei es an Weingärten entlang, durch Kastanienhainen oder auf Almen der Dolomiten, zu entdecken. Schon Johann Wolfgang Goethe fühlten sich von der Landschaft rund um Klausen, Barbian, Feldthurns und Villanders inspiriert.

Der Weinbau, den die Römer im südlichen Eisacktal begründet haben, ist das Thema auf dem 3,5 Kilometer langen Leitacher Weinwanderweg. Er startet in Klausen und führt durch die steilen und sonnigen Leitacher Weinhänge hoch bis zum „Keschtndorf“ Feldthurns. Dort stößt er auf den 65 Kilometer langen „Eisacktaler Keschtnweg“. Vom Frühling und Sommer bis weit in den Herbst zieht es Naturliebhaber auf diesen malerischen Themenweg im Mittelgebirge, auf dem einige Buschenschänke und Höfe zum Einkehren verlocken. Reizvoll ist auch eine Wanderung von Klausen zum Ansitz Fonteklaus. Schon nach zehn Minuten erreicht man den Dürerstein, von wo aus Albrecht Dürer eine Skizze der Stadt Klausen für seinen Kupferstich „Nemesis – das große Glück“ anfertigte. Einige der schönsten Wege im Eisacktal sind ehemalige Pilgerwege, die durch Wiesen und Wälder zu mystischen Plätzen, uralten Kirchen und Klöstern führen. So die Wanderung von Barbian nach Dreikirchen: An den beiden spektakulären Barbianer Wasserfällen vorbei führt der Weg nach Briol und weiter nach Bad Dreikirchen, einem uralten „Quellheiligtum“ mit drei ineinander verschachtelten Holzkirchen. Das verwitterte Holz der Türme und die schöne Schlichtheit des Ortes berühren Herz und Seele. Dreikirchen entstand zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert an der Stelle eines uralten heidnischen Quellheiligtums. Zwei weitere „Wasser-Kraftplätze“ liegen rund um Gufidaun: Etwa die „heiligen“ Quellen von Bad Froy mit der Kapelle, die zu Ehren ihres Entdeckers, des Heiligen Theobald, errichtet wurde und die Hohen Fälle.

Eine Wanderung zum höchstgelegenen Wallfahrtsort Südtirols mit imposanter Kirche auf 2.300 m Höhe, dem Latzfonser Kreuz ist eigentlich ein Muss bei einem Besuch der Region. Und auch für weltlichen Genuss ist hier gesorgt, denn in der Latzfonser-Kreuz-Hütte kehrt man vorzüglich ein.

Das ganze Jahr über ein Erlebnis ist eine Rundwanderung auf der Villanderer Alm, die über eine der größten Hochalmen Europas auf etwa zweitausend Metern Höhe führt und genau am geografischen Mittelpunkt Südtirols liegt. Gut für eine kleine Pause sind die neuen Wellnessliegen beim Totensee nahe des geografischen Mittelpunkts Südtirols. Von Barbian aus peilen Wanderer nebst der naturbelassenen und weitläufigen Barbianer Alm auch das 2.260 Meter hohe Rittner Horn an – allein schon des 360-Grad-Rundumblickes wegen. Die Feldthurner Alm verzaubert mit ihrem alpinen Charakter und dem sagenumwobenen Radlsee, sowie der gleichnamigen Radlseehütte. Unterwegs liegt die Brugger Schupfe, eine idyllische Alm auf dem Hochplateau mit wunderbarer Aussicht über die Eisacktaler Dolomiten und wirklich herzhaften Knödelgerichten.

Auch für Biker ein Paradies

Wer lieber Biken statt Wandern möchte, egal ob Vollprofi oder Familienradler, hat im Eisacktal ebenfalls die volle Auswahl. Von ebenen Talwegen über Seilbahn-Touren mit fetzigem Downhill-Erlebnis bis zu schweißtreibenden Bike-Routen mit über 1.000 Meter Höhendifferenz. Vor allen Dingen gibt es mit der bikemobil Card nicht nur an den Südtirol-Radverleih-Stationen in Klausen, Barbian, Feldthurns und Villanders Leihfahrräder für einen Tag gratis, sondern es können auch sämtliche Öffis im Südtiroler Verkehrsverbund während des Gültigkeitszeitraums kostenlos genutzt werden.

Weißwein aus dem Eisacktal

Bei so viel Bewegung darf natürlich der Genuss nicht zu kurz kommen. Gutes Essen gibt es hier natürlich überall, aber vor allen Dingen gibt es hier hervorragende Weißweine, die hier von den Winzern in mühevoller Arbeit auf teilweise extrem steilen Lagen zwischen 400 und 800 Metern angebaut und regelmäßig von den Weinführern ausgezeichnet und bestens bewertet werden.

17 von ihnen, kleine private Winzer, die teilweise auch über die Landesgrenzen hinaus für ihre hervorragenden Qualitätsweine bekannt sind, bieten Hofbesichtigungen mit Weinverkostung an, ideal um den Weinkeller zu Hause wieder aufzufüllen.

Zum Genuss gehören natürlich auch entsprechende Übernachtungsmöglichkeiten, und da gibt es natürlich in dieser Region jede Menge, für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel. Ich hatte mich für das in Feldthurns gelegene Aktiv-& Vitalpinahotel Taubers Unterwirt entschlossen. Das mitten im Dorf stehende Wellnesshotel wird schon seit über 150 Jahren in fünf Generationen von einer Familie geführt und hat mich vor allen Dingen durch das ganzheitliche Vitalpina-Wohlfühlkonzept, was für einen naturnahen Wander- und Wohlfühlurlaub steht, angesprochen. Garantiert wird das durch genussvolle-leichte Speisen und Wellnessanwendungen mit heimischen Südtiroler Naturprodukten, sowie das Aktivsein in der Natur (Wandern, Mountainbiken, Radfahren, Nordic Walking etc.).

Das direkt am Eisacktaler Kastanienweg gelegene Hotel hat sich ganz auf die Kastanien und auf deren Genuss ausgerichtet: Man begegnet Ihnen in allen Spielarten: im Kastanienholz unserer Wohlfühlzimmer, in den Feinschmeckermenüs des Küchenchefs, in der Wellnessabteilung Castanea, im Aufguss in der Sauna und in den wertvollen Cremes, die für Wellness- und Beautyanwendungen speziell hergestellt werden. Zum Wellnessbereich gehört auch ein Innenpool mit direkter Verbindung zum Außenschwimmbad, welches das ganze Jahr über bei 29° Celsius Wassertemperatur geöffnet ist. Das Hotel ist auch neben Vitalpina-Hotels Südtirol, Mitglied bei den Wanderhotels -best alpine, den und den Südtiroler Bikehotels.

Feldthurns, ist übrigens ein kleines Dorf auf 850 m Meereshöhe mit einem Renaissanceschloß von 1577 und einer gotischen Dorfkirche, die davon zeugen, dass hier die einstige Sommerresidenz der Brixner Fürstbischöfe war. Vielleicht war auch Feldthurns Heimat von Ötzi, der Mann aus dem Eis, der nach jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen vermutlich aus dem Eisacktal stammt. Denn hier in Feldthurns haben Archäologen Keramikgefäße der so genannten Glockenbecherkultur ausgegraben. Wichtigster Fund war eine Begräbnisstätte in Form eines etwa 20 Meter langen ovalen Steinhaufens. Gekrönt war der gewaltige Steinhaufen von einem Menhir, der Abbildungen von Beil, Dolch, Pfeilspitze und Bogen zeigt.

Wer aber lieber ein Hotel mitten in der Natur ohne jegliche Ortsanbindung sucht, für den ist sicherlich das 3-Sterne Superior Hotel Sambergerhof empfehlenswert, das auf 1500 Metern unterhalb der Villanderer Alm einen atemberaubenden Blick auf die gegenüberliegenden Dolomiten und dem Eisacktal bietet, egal ob vom Restaurant, dem Ruheraum im Wellnessbereich oder des Zimmers aus.

Klausen Card „alps & wine“: Südtirol auf einer Karte

Wichtig ist noch, die Gästekarte KlausenCard – alps & wine, zu erwähnen, die Mobilität und Museumsangebote der „Museum-MobilCard“ kombiniert und zusätzlich 365 Tage im Jahr eine Reihe von Angeboten bietet, wie uneingeschränkte Nutzung sämtlicher öffentlicher Verkehrsmittel in Südtirol, freien Eintritt in über 80 Museen in ganz Südtirol, Benutzung von zwei Seilbahnen im Sommer, freien Eintritt in die Freischwimmbäder Klausen und Feldthurns, sowie ins Acquarena Hallenbad Brixen (2,5 Stunden), Nutzung des „Sommer-Wanderbus“ und des Winterbusses „Ski-Safari“, Erlebnisprogramme wie Wanderführungen, Wein- und Grappa Verkostungen und Schneeschuhwanderungen und vieles mehr.  www.klausencard.info

Fazit:

Das südliche Eisacktal rund um Klausen, Barbian, Feldthurns und Villanders ist auf jeden Fall eine Reise wert, sei es nur für ein paar Tage oder aber einen längeren Urlaub, für den es hier jede Menge Abwechslung und Interessantes zu entdecken und zu unternehmen gibt. Bei der Parkplatzsuche in Klausen braucht man Geduld und Glück. Was ich überhaupt nicht verstehe, das da, wo genug Platz ist, nämlich an interessanten Ausgangsorten für Wanderungen, wie z.B. auf der Villanderer Alm, ebenfalls Parkplatzgebühren verlangt werden. Wofür zahlt der Gast extra Ortstaxe in seiner Unterkunft? Parkgebühren sind noch nicht einmal mit der KlausenCard frei. Das haben andere Tourismusorte, wie z.B. Obersdorf besser gelöst, wo mit der Gästekarte überall Parken umsonst ist. Aber diese Kleinigkeit sollte keinesfalls von einem Besuch dieser wunderschönen Aktiv- und Genussregion abhalten, und vielleicht legen auch Sie bei Ihrer nächsten Reise in den Süden hier einen Zwischenstopp ein, und wer weiß. Vielleicht fahren Sie ja gar nicht mehr weiter.

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