Gotland – Eine Insel die verzaubert

Gotland? Die einen kennen es nicht, und die, die es kennen, bekommen einen träumerischen Blick. Wer schon mal auf Gotland war, den hat es einfach mit seinen atemberaubenden Landschaften, den malerischen Fischerdörfern und der mittelalterlichen Hauptstadt Visby verzaubert. Letztes Jahr war ich alleine zu einem Kurzbesuch in Visby zur Mittelalterwoche (auf Schwedisch Medeltidsveckan). Neugierig geworden, habe ich nun zusammen mit meiner Frau, Gotland erneut besucht, um die ganze Insel kennenzulernen.

Gotland ist die größte Insel Schwedens, rund 50 Kilometer östlich des schwedischen Festlandes und etwa 150 Kilometer Luftlinie südlich von Stockholm. Auch wenn die Insel nur ca.125 Km lang und ca. 50 Km breit ist, so hat sie doch 800 Kilometer Küste. Fast die Hälfte der ca. 59.000 Einwohner wohnen in Visby, und Schafe gibt es auf Gotland weit mehr als Einwohner.

Neben wunderschönen unterschiedlichen Landschaften hat die Ostseeinsel auch viel Kultur und Geschichtliches zu bieten. So sind die über 300 Sehenswürdigkeiten auch bei einem längeren Besuch gar nicht alle zu besichtigen.

Den Großteil des Jahres gilt Gotland als überaus klimafreundlich: viel Sonne, gemäßigte Temperaturen und im Sommer wenig Regen. Klingt eher nach Süd- als Nordeuropa? Tatsächlich wachsen in manchen Gärten der Insel Aprikosen, Mandeln und Feigen. Selbst Trüffel gibt es hier zu finden. So kommen jeden November während des jährlichen Trüffelfestes hunderte Liebhaber und Genießer des edlen Pilzes aus aller Welt nach Gotland.

An die 92, meist sehr sehenswerte Kirchen, sind über die ganze Insel verstreut, viele davon in der UNESCO-Welterbestadt Visby mit ihrer mittelalterlichen Stadtmauer. Über Visby gibt es so viel zu schreiben, dass ich darüber einen eigenen Artikel geschrieben habe.

Zehn Kilometer von Visby entfernt liegt Högklint. Die Klippen bieten eine traumhafte Aussicht aufs Meer und auch auf die Steilküste bis nach Visby.

Nicht weit von Högklint entfernt, bei Tofta, erstrecken sich kilometerlange Strände, wie sie aber auch an vielen anderen Stellen der Insel zu finden sind. Nur im Juli und August sind die Strände, wie auch die Insel überhaupt, recht voll. Davor und danach sind meist nur wenige Menschen an den Stränden und man findet hier Ruhe um Abschalten zu können, ganz allein mit den eigenen Gedanken und den Naturgewalten des Meeres und des Windes.

Bizarre Felsengebilde

Diese Naturgewalten, die die Wellen der Ostsee gegen die Küste peitschen lässt, haben die für Gotland so typischen Raukar (Mehrzahl von Rauk) entstehen lassen, bizarre Kalksteinfelsen, welche wie versteinerte Wesen an vielen Orten entlang der Küste scheinbar die Insel bewachen. Ausgewaschen und geformt durch Wind und Salzwasser sind sie entstanden. An manchen Orten sind ganze Ansammlungen von Raukar zu finden, sogenannte Rauk-Felder.

Der mit 27 Metern höchste Rauk Gotlands „Jungfrun“ steht am Strand von Lickershamn an der Westküste. In seiner Nähe stehen auch weitere Raukar im küstennahen Wald.

Ein weiterer schöner Rauk steht an der Südwestspitze in Hoburgen, auch ein faszinierender Ort für Spaziergänge am Strand, entlang und über die Klippen. Auf dem Weg nach Hoburgen sollte man auf jeden Fall einen Zwischenstopp in Burgsvik einlegen und die Kunsthalle und Skulpturenpark Körsbärsgarden besichtigen, wie sich auch etwas Zeit für den leckeren selbstgemachten Kuchen im dazugehörenden Café nehmen. Diese private moderne Kunstsammlung ist wirklich sehenswert.

Die schönsten freistehenden Raukar stehen aber bei Langhammars auf der Insel Fårö im Norden von Gotland, wo auch mit Digerhuvud sich das größte, wenn auch nicht ganz so beeindruckende Rauk-Feld befindet.

Malerische Fischerdörfer

Zu den typischen Sehenswürdigkeiten von Gotland gehören auch die vielen malerischen Fischerdörfer, die überall an den Küsten zu finden sind. Einige der Fischerhütten sind rot gestrichen, andere unauffällig braun-grau. Manche aus Holz, andere aus Stein. Eins haben die Fischerhütten jedoch alle gemeinsam, sie sehen einfach absolut malerisch aus. Ungefähr 150 solcher Fischerdörfer soll es über Gotland verteilt geben. Viele stehen unter Denkmalschutz und manche Hütte beherbergt inzwischen auch einen Souvenirshop.

Sicherlich kann man nicht alle Fischerdörfer besuchen, aber einige sollte man sich auf jeden Fall anschauen, wie z.B. Kovik an der Westküste, nördlich von Klintehamn. Ein echter Foto-Hotspot mit seiner Reihe rot-gestrichener Holzhäuser und einem kleinen Kirchlein entlang des Wassers. Oder Lickershamn im Norden der Westküste, wo die bunten Fischerhütten in mehreren Reihen stehen, ganz in der Nähe des bereits erwähnten Rauk „Jungfrun“, welcher von dort auch zu Fuß in einer halben Stunde zu erreichen ist.

Aber auch an der Ostküste gibt es besonders schöne Fischerdörfer wie Sysne oder Grynge, die beide in der Nähe von Katthammarsvik liegen, wo sich auch eins der besten Fischrestaurants mit Räucherei der ganzen Insel befindet.

Gotlands Tierwelt

Wie schon erwähnt gibt es auf Gotland mehr Schafe als Einwohner. Und diese Schafe sind ganz besondere Schafe. Die robusten Gotlandschafe mit einem schwarzen Kopf und der typischen gelockten und flauschigen silbergrauen bis dunkelgrauen Wolle sind auf der schwedischen Ostseeinsel wirklich allgegenwärtig und fast schon so etwas wie das Wappentier von Gotland.

Elche, das skandinavische Lieblingstier, gibt es nicht auf Gotland, dafür aber jede Menge Kaninchen, Füchse, Igel, Vögel, Enten, Gänse und Kraniche. Auf der Insel Stora Karlsö gibt es ein Vogel-Naturschutzgebiet, das zweitälteste Naturschutzgebiet der Welt.

Aber es gibt auch eine eigene Pferderasse, das Gotland-Pony oder auch Gotlandsruss. Eine robuste Pferderasse, die fast auf sich allein gestellt, auf weitläufig eingezäunten Gebieten im Inselinneren leben, und daher schon eher als Wildpferde gelten. Am besten kann man sie in Russparken im Süden der Insel beobachten. Der Ort ist über die Straße von Klinte nach Lojsta zu erreichen, auch eingezeichnet auf der kostenlosen Gotland-Karte, welche überall in Hotels, Unterkünften und Touristeninformationen zu erhalten ist.

Auf der kostenlosen Gotland Karte sind alle Sehenswürdigkeiten Gotlands eingezeichnet, neben den Fischerdörfern, Kirchen und Museen, auch die Rauk-Felder, welche mit einem lustigen Symbol markiert sind, das aussieht wie ein Kamel.

Megalithische Zeitzeugen

Auch sind auf dieser Karte Megalithische Sehenswürdigkeiten, wie Gräber, Fluchtburgen und Schiffssetzungen verzeichnet. Nicht wenige Touristen besuchen Gotland schließlich wegen seiner megalithischen Zeitzeugen der Bronze- und Steinzeit. Auch wenn sie auf der Karte verzeichnet sind, muss man sie meist gut suchen, liegen sie doch oft versteckt im Wald. Aber manche befinden sich auch direkt an Straßen, wie das Steinhaufengrab bei Bro oder die 29m lange Schiffssetzung bei Gannarve vor Fröjel. Viele solcher megalithischen Sehenswürdigkeiten, die die Zeit überdauert haben, gibt es auf der ganzen Insel. Am meisten beeindruckt hat mich das recht versteckt liegende Gräberfeld Trullhalsar bei Anga. Diese Ansammlung von etwa 350 Gräber, Steinsetzungen und Steinkreisen inmitten eines Waldes ist nicht nur beeindruckend, sondern strahlt auch eine Ruhe und mystische Stimmung aus, die berührt.

Insel Fårö – Sehenswürdigkeiten und Anreise

Wer auf Gotland ist, sollte auch Farö, die Insel im Norden Gotlands besuchen. Von Farösund, dem nördlichsten Ort der Insel, setzt man mit der kostenlosen Autofähre das kurze Stück nach Farö über.

Typisch für Farö sind reetgedeckte Steinhäuser, die einsam in der Landschaft stehen, genauso wie nostalgische Windmühlen.

Einen breiten weißen Sandstrand mit Dünen gibt es im Süden bei Sudersand. Ein weiterer Strand liegt quasi gegenüber im Norden von Farö in der Bucht Ekeviken. Und auch einer der schönsten Leuchttürme Gotlands steht auf Farö, der weiß gestrichenen Farofyr an der Ostspitze der Insel.

Über die Rauk-Felder auf Farö, sicherlich die bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Farö, habe ich ja schon berichtet.

Vielleicht waren es ja gerade die besonders faszinierenden Raukar von Langhammars oder die doch so ganz andere Naturlandschaft von Farö, welche Ingmar Bergman, der berühmte schwedische Regisseur so fasziniert haben, dass er sich einst, als er für Dreharbeiten auf die Insel kam, direkt in Farö verliebte. „Es ist, als hätte ich meine Heimat, meine wirkliche Heimat gefunden. Oder anders gesagt: Es war Liebe auf den ersten Blick“.

So zog er von Stockholm nach Farö und wohnte hier bis zu seinem Tod im Jahr 2007. Heute gibt es in seinem ehemaligen Wohnhaus ein kleines Museum, dass ihm gewidmet ist. Viele Drehorte seiner Filme und Serien befinden sich auf Farö, die wie auch sein Grab viele Besucher anziehen.

Übrigens auch Håkan Nesser lebt auf einer kleinen Insel vor Gotland, den Furillen. Und mit etwas Glück kann man ihn vielleicht sogar in Visby treffen, wo er oft unterwegs ist.

Spuren von Pippi Langstrumpf

Eine ganz andere Berühmtheit auf Gotland ist mehr eine Romanfigur, nämlich Pippi Langstrumpf, das „stärkste Mädchen der Welt“. In der Nähe von Visby steht die Villa Kunterbunt, oder die Villa Villekulla, wie sie auf Schwedisch genannt wird. Pippis farbenfrohes Zuhause ist allerdings hinter dem Zaun des Freizeitparks Kneippbyn versteckt, wo es originalgetreu wiederaufgebaut wurde. Für Kinder ist der Besuch bestimmt ein tolles Erlebnis, ansonsten ist Kneippbyn eher ein ziemlich touristischer Freizeitpark. Trotzdem wird man sicherlich nicht um einen Besuch herumkommen, wenn man Gotland mit Kindern besucht, oder nostalgisch eigene Kindheitserinnerungen auffrischen möchte.

Anreise per Fähre

Das einzige Manko an einem Urlaub auf Gotland ist die etwas zeitaufwendig Anreise, wenn man nicht fliegen mag, weil man z.B. wie wir unseren Hund dabeihat, oder man es mit einer Schwedenrundreise verbinden möchte. Eine Zwischenübernachtung sollte man auf Grund der zwei Fährfahrtenauf jeden Fall einplanen, oder wenn man es etwas entspannter angehen möchte, auch zwei.

Wir haben in Rostock übernachtet, bevor wir mit der Fähre nach Trelleborg (ca.6 Std.) übergesetzt haben. Danach ging es durch Dänemark und Schweden. Man kann über die Öresundbrücke fahren oder schneller und entspannter mit einer kurzen zusätzlichen Fährfahrt zwischen Helsingor und Helsingborg. Preislich ist da kaum ein Unterschied. Wir haben dann noch einmal kurz vor Oskarshamn in Kalmar übernachtet, bevor es dann am nächsten Morgen nach Gotland (ca.3,5 Std.) ging. Im Sommer fahren zusätzlich Fähren ab Västervik (ca. 2,5 Std.).

Ein Tipp, Ferryexperts bietet Kombitickets für Reisen von Deutschland nach Gotland an. So kann man bequem alle Fähren, auch die zwischen Helsingor und Helsingborg buchen.

Schneller geht es natürlich per Flieger über Stockholm nach Visby Airport auf Gotland.

Fazit Gotland Reise

Gotland mit Visby ist nicht ohne Grund ein beliebtes Ziel für die Sommerfrische, nicht nur bei den Schweden, hat es doch ein viel milderes Klima als das Festland und im Hochsommer erträgliche 25 Grad.

Auch viele ausländische Touristen, vor allem Deutsche, lieben und besuchen diese Insel mit den malerischen Fischerdörfern, der faszinierenden Küste und den flauschigen Gotlandschafen. Im Juli und August ist es zwar recht voll, aber die Monate davor und danach sind sowieso die schöneren, wo man Gotland in aller Ruhe erleben und genießen kann. Leider ist manches, wie Bootsausflüge zur Insel Stora Karlsö und in den Nationalpark Gotska Sandön, allerdings nur im Sommer möglich. Dafür gibt es aber gerade auch außerhalb der Hochsaison viel anderes Interessantes, wie z.B. das Trüffelfest im November oder die „Offenen Ateliers“ im Mai/Juni, aber auch die Krimitage oder die Ingmar-Bergman-Woche. Uns würde auch mal der Winter auf Gotland interessieren, wenn mit Ausnahme der Weihnachtszeit, kaum Touristen da sein sollen.

Auf jeden Fall werden wir wiederkommen, gibt es hier doch noch so viel zu entdecken und zu unternehmen. Da wir nur ein paar Tage auf Gotland waren, hatten wir leider keine Zeit für Wanderungen oder Radtouren über die Insel, und so vieles mehr was man hier noch alles unternehmen kann. Unser Besuch war nur einfach viel zu kurz, wie natürlich fast jeder Urlaub zu kurz ist. Gotland wir kommen bald wieder!

Mehr Informationen unter www.destinationgotland.se/de , www.visitsweden.de/gotland/ und www.gotland.com/en/      Bilder: ©Detlef Düring

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