Bad Gastein – Kultur-Hotspot in den Alpen

Am Ende des Gasteiner Tals, thront quasi Bad Gastein, über dem Tal, ein Ort aus früherer Zeit und eigentlich gar nicht so in diese Gegend passend. So könnte man sich auch Thomas Manns Zauberberg vorstellen, der übrigens auch öfters hier zu Gast war.

War Bad Gastein früher ein blühender Kurort, wo Kaiser, Könige und jede Menge andere internationale Prominenz zum Kuren verweilten, so ist es lange quasi in einen Dornröschenschlaf verfallen und vor so vor sich hin verwittert. Einst mondäne Grandhotels wurden zum Spielball von Spekulanten, mussten schließen, und wurden dem Verfall einfach anheimgegeben.

Weitmoser-Schlössl Gastein ©Detlef Düring
Weitmoser-Schlössl Gastein ©Detlef Düring

Dabei wurde quasi von hier auch mehr als 20 Sommer das Deutsche Kaiserreich regiert, da der alte deutsche Kaiser Wilhelm I. meist im Sommer regelmäßig, samt Hofstaat und zuweilen auch Reichskanzler Bismarck, nach Bad Gastein kam, um in den radonhaltigen Wannenbädern zu kuren. So ist die steigungsfreie Promenade, rund um den Ort, ihm zu verdanken, der eben nicht gern bergauf oder bergab ging. Aber auch Sissi mit ihren Franzl und andere gekrönte Häupter, internationale Prominente aus Politik, Kultur und Showbiz kurten früher regelmäßig hier, auch unser alter Kanzler Kohl war hier regelmäßig zu Gast.

Hotel Regina in Gastein ©Detlef Düring

Wer übrigens dessen Lieblingslokal kennenlernen möchte, was wirklich auch meiner Meinung nach empfehlenswert ist, der sollte ins Weitmoser Schlössl in Bad Hofgastein einkehren. Nicht nur die historischen Räume und auch bei schönem Wetter der kleine Gastgarten im Hof sind sehenswert und gemütlich, sondern auch die Speisen sind höchster Genuss. So stammt das Fleisch aus der eigenen Bio-Landwirtschaft, das Wild aus der eigenen Jagd und die Weine aus der Schloss-Vinothek.

Inzwischen ist Bad Gastein aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst worden und versucht an den Glanz früherer Zeit anzuschließen, und das mit Erfolg. Wachgeküsst haben u.a. mutige Hoteliers, die auch eine Vision haben. Sie eröffneten stylisch-mondäne Boutique-Hotels, wie das Hotel Miramonte, Haus Hirt und das Hotel Regina, welches sogar ein kleines eigenes Kino hat, wo man aus einer Vielzahl von Filmklassikern seine Favoriten aussuchen und anschauen kann. Für Hundebesitzer ist das Regina übrigens ein ganz besonderer Tipp, denn hier sind Hunde nicht nur gern gesehen, sie übernachten sogar kostenlos, wenn sie gut erzogen sind.

Rudolfshöhe in Gastein ©Detlef Düring

Relativ neu sind die beiden Berliner Jan Breus und Stefan Turowski, die vor Jahren die frühere einige hundert Jahre alte Jausenstation “Rudolfshöhe” umgestaltet und ausgebaut haben. Sie haben nach und nach auf 1200m Höhe ein Kleinod geschaffen, eine gemütliche kleine Ausflugsgaststätte mit Sonnenterrasse und Wintergarten, und vor allen Dingen mit einematemberaubenden Ausblick auf das gesamte Gasteinertal. Sie sind bekannt für ihre feinsten Slow-Cuisine-Spezialitäten und Jan´s legendärer Pavlova, ich kann sie ebenfalls nur empfehlen. Auch die Einheimischen kommen gerne hier rauf zum Essen, Plaudern und Trinken. Und auch übernachten kann man hier in vier liebevoll und individuell eingerichteten Gästezimmern.

All diesen Visionären ist es zu verdanken, dass dieser historische und auf seiner Art romantische Kurort wachgeküsst wurde, und inzwischen schon ein Geheimtipp für stilbewusste Großstädter und Kulturinteressierten geworden ist. So sind die heutigen Gäste auch altersmäßig bunt gemischt mit vielen jungen Leuten darunter.

Altes Badschloss Gastein ©Detlef Düring

Der Ort ist inzwischen so interessant geworden, dass die durch Bekleidung bekannt gewordene Münchener Hirmer-Gruppe, der auch seit einiger Zeit die Travel-Charme-Hotels gehören, die alten denkmalgeschützten Gebäude um den Straubinger Platz, wie das Badschloss, die Post und das Straubinger , in dem Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann einst seine Ausbildung absolvierte ,gekauft haben und sie nach umfangreicher Sanierung und Neugestaltung zu neuem Glanz verhelfen wollen. Vier- und Fünf-Sterne-Hotels sollen entstehen.

Natürlich kann man auch heute noch in Gasteiner Heilstollen kuren und die modernen Thermalbäder in Bad Hofgastein zum Schwimmen im Heilwasser und Saunieren nutzen. So hat die Alpentherme Bad Hofgastein zwei neue Thermalwasser-Badeseen im Außenbereich, welche bereits Outdoor-Baden im warmen Wasser von Anfang Mai bis Ende Oktober ermöglichen.

Aber was gerade im Sommer neben der Alpenkulisse mit ihren vielen Möglichkeiten von Aktivitäten, viele Gäste anzieht, sind die vielen hochwertigen kulturellen Veranstaltungen und Projekte, die hier seit einigen Jahren angeboten werden.

Gastein gilt seit jeher als Treffpunkt für Kunst- und Kulturschaffende. Schubert, Schopenhauer oder Mann – viele ließen sich von Gastein inspirieren. Diese Tradition setzt Gastein auch heutzutage fort, mit dem zeitgenössischen Kunstfestival sommer.frische.kunst, das in diesem Jahr unter anderem mit einer Ausstellung des deutschen Künstlers Jonathan Meese aufwartet, mit klassischen Konzerten der Philharmonie Salzburg im Tal und auf den Almen, und mit einem Konzertfestival rund um den Komponisten Franz Schubert.

sommer.frische.kunst Das Festival zur modernen Kunst in Bad Gastein

Das Kunst- und Kulturfestival sommer.frische.kunst. lockt bereits zum neunten Mal Besucher aus aller Welt nach Bad Gastein. Für fünf Wochen beziehen sechs ausgewählte junge Künstler und Künstlerinnen aus Europa – Maler, Fotografen und bildende Künstler – ihre Ateliers in Gastein, um vor Ort mit den Gegebenheiten und Inspirationen zu arbeiten. Die Künstler und Künstlerinnen erleben Bad Gastein quasi als magischen Ort: denn das Zusammenspiel zwischen Kreativität und Natur führt oft zurück zum Wesentlichen – zu einem selbst. Ihnen werden aber nicht nur die Ateliers in einem alten Kraftwerk, direkt neben dem imposanten und lauten Wasserfall, der mitten durch den Ort hinab strömt und donnert, zur Verfügung gestellt, sondern sie bekommen auch als „artist in residence“ für diesen Zeitraum freie Kost und Logis. Sie sind im Regina untergebracht, was die Atmosphäre im Hotel noch interessanter macht. Man trifft die Künstler nicht nur überall im Ort an, sondern kann ihnen auch bei ihrer Arbeit in den Ateliers über die Schultern schauen, mit ihnen diskutieren und das Geschaffene bewundern.

Frederike von Cranach in Gastein ©Detlef Düring

Junge Künstler im historischen Kraftwerk ist eine Mischung, die hervorragend zu Gastein und seiner Geschichte passt, waren doch auch schon früher so Freigeister ihrer Zeit, wie Klimt, Zweig, Mann, Schopenhauer, Wilhelm von Humboldt, Schelling, Ludwig Wittgenstein u.a. hier zu Besuch.

Die in dieser Zeit entstandenen Werke werden am Ende des Aufenthalts in einer Sammelausstellung in den Ateliers im alten Wasserkraftwerk, neben dem Bad Gasteiner Wasserfall, ausgestellt, wobei jeweils ein Kunstwerk von jedem Künstler als Ausgleich Eigentum von Bad Gastein wird. Neben dieser Kernausstellung gab es am ein Art Weekend vom 26. bis 29. Juli 2018 noch einige andere Ausstellungen mehr zu sehen. Unter anderem zeigte das „enfant terrible“ der deutschen Kunstszene Jonathan Meese unter dem Titel „Der Walhalla-Traum (Mein Sonnenparsifalkompass)” seine Werke im Pavillon. Vom 19. bis 22. Juli bot der Fotograf Simon Lohmeyer einen Instagram-Workshop an und vom 16. bis 19. August gibt Fotograf Andreas Mühe einen Fotografie-Workshop.

Simon Modersohn in Gastein ©Detlef Düring
Simon Modersohn in Gastein ©Detlef Düring

Teil des sommer.frische.kunst-Programms sind auch verschiedene Art walks durch Bad Gastein und das Jazzfestival summer.jazz.in.the.city, bei dem man vom 27. Juni bis 22. August jeden Mittwochabend im Merangarten Modern Jazz, Latino Songs, Soul oder Mundart Blues von Musikern aus aller Welt hören kann.

Neues Klassik-Konzept in Bad Hofgastein: Dirigentin Elisabeth Fuchs und ihre Philharmonie Salzburg spielen in Gastein

Für den Sommer 2018 hat der Kur- und Tourismusverband Bad Hofgastein mit der Philharmonie Salzburg unter der Leitung von Elisabeth Fuchs ein neues Klassik-Konzept erarbeitet. Drei Orchesterkonzerte, acht Familienkonzerte, fünf Konzerte auf den Almen Bad Hofgasteins im Rahmen der „Alm:Klassik“ sowie 86 Salonorchesterkonzerte werden von 25. Mai bis 28. September 2018 Gästen und Einheimischen geboten. Der Eintritt zu allen Konzerten ist mit der Gastein-Card frei.

Höhepunkt des Gasteiner Konzertsommers 2018 war der Auftritt des peruanisch-österreichischen Startenors Juan Diego Flórez am 21. Juli in der Alpenarena in Bad Hofgastein. Auch er wurde von der Philharmonie Salzburg begleitet.

Klassik-Klänge auf den Almen: Hüttenatmosphäre statt Konzertsaal

Blick von der Rudolfshöhe in Gastein ©Detlef Düring
Blick von der Rudolfshöhe in Gastein ©Detlef Düring

Die Abendrobe weicht den Bergschuhen, der Sekt dem selbstgemachten Holundersaft und der Konzertsaal der urigen Almhütte. Unter dem Motto „Alm:Klassik“ können sich Gäste und Einheimische vom 26. August bis 9. September 2018 an klassischen Konzerten auf den Bad Hofgasteiner Almen erfreuen. Die Philharmonie Salzburg intoniert Werke von klassischen Komponisten und diverse Volksmusikgruppen präsentieren Ausschnitte ihres Repertoires. Alles immer in freier Natur und vor spektakulärer Bergkulisse.

Die Gasteiner Sinfonie: Auf den Spuren von Franz Schuberts Sommerfrische

Eine Hommage an einen der berühmtesten Gastein-Besucher ist das Kulturfestival „Schubert in Gastein“. Der österreichische Komponist Franz Schubert (1797-1828) hat eine ganz besondere Verbindung zu Gastein: 1825 reiste er gemeinsam mit Freund und Hofopernsänger Johann Michael Vogl ins Gasteinertal. Inspiriert vom Charme der beeindruckenden Bergwelt komponierte er in dieser Zeit zwei seiner bedeutenden Werke: „Die Allmacht“ und „Das Heimweh“. Außerdem widmete Schubert eine seiner Kompositionen dem Tal, die „Gasteiner Sinfonie“ – heute bekannt als Große C-Dur-Sinfonie. Von 13. bis 16. September 2018 wird die Camerata Salzburg Auszüge der bedeutendsten Werke Franz Schuberts aufführen.

Noch mehr Informationen über Gastein und das Salzburger Land finden Sie unter www.gastein.com und www.salzburgerland.com .

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Text und Bilder ©Detlef Düring